Chinesische Kräuter

Die Anwendung chinesischer Arzneimittel ist in China das häufigste therapeutische Verfahren der chinesischen Medizin. Die 400 wichtigsten Arzneimittel sind bei uns in Deutschland über Apotheken erhältlich, die für Identität, Qualität und Reinheit garantieren.

Überwiegend werden Heilpflanzen eingesetzt (Blätter, Blüten, Wurzeln, Rinden), selten auch mineralische oder tierische Substanzen (Z.B. bestimmte Muschelschalen). Auf Artenschutz wird streng geachtet. Die Arzneimittel werden immer als Kombination (2-15 Einzelmittel), als „Rezeptur“ vom Arzt verordnet und als Abkochung (Dekokt) eingenommen, üblich sind jedoch auch andere Einnahmeformen wie Granulate (Instantpulver). Neben akuten Infekten wirken die Arzneimittel besonders bei Allergien, Hautkrankheiten, Reizdarm, Darmentzündungen, Gastritis, Hepatitis, Regelstörungen.

Diagnose

Die Diagnose wird durch die vier Untersuchungsmethoden der TCM erstellt:

Aus der Vielzahl der diagnostischen Schritte setzt sich nun ein Bild über die Erkrankungen zusammen, z.B.: Was ist die Ursache, was sind lediglich neuere Symptome. Wie tief sitzt die Erkrankung, welche Meridiane und Organe sind betroffen?

Wie wirken die Arzneimittel?

Jedes chinesische Arzneimittel hat unverkennbare Charakteristika. Diese setzen sich aus seiner Geschmacksrichtung, der Leitbahn, auf die es wirkt und seinem Temperaturverhalten zusammen.

Geschmacksrichtungen: süß, scharf, salzig, sauer, bitter, neutral, aromatisch (im Sinne von duftend) und adstringierend. Jedes Arzneimittel hat mindestens eines dieser Geschmacksrichtungen, meist aber zwei oder mehrere. Die Geschmacksrichtungen sind nicht nur sinnlich wahrnehmbar, sondern haben auch bekannte Wirkungen im Körper: Salziges z.B. trocknet; Scharfes öffnet die Oberfläche: dies zeigt sich im verstärkten Schwitzen nach dem Genuss von z.B. Chilisauce.

Jedes Arzneimittel wirkt in bestimmten Leitbahnen oder Organen. So kann die Heilkraft gezielt lokal genutzt werden.

Weiter ist das Temperaturverhalten wichtig: Bei einer Erkältung wirken wärmende, evtl. heiße, auf keinen Fall aber kühle oder kalte Arzneimittel lindernd. Wichtig hierbei ist, dass das Temperaturverhalten sich nicht auf eine in °C messbare Temperatur bezieht. Vielmehr beschreibt es die Wirkung auf den Körper, die auf oft direkt wahrgenommen werden kann: Ingwertee z.B. verbreitet im Körper unmittelbar nach Genuss ein wärmendes Gefühl.

Zudem behandeln die Arzneimittel bestimmte Syndrome der chinesischen Medizin mit den dafür typischen Symptomen. Bei dem Syndrom „Magenhitze“ z.B. mit den Symptomen Sodbrennen und Schluckauf wird eine Rezeptur verabreicht, die den Magen kühlt, dabei das Magen-Qi absenkt (um den Schluckauf zu beruhigen) und auch die Ursache der Magenhitze behandelt, z.B. emotionalen Stress.

Jede Rezeptur wird also individuell auf den Patienten oder die Patientin abgestimmt. Die kombinierten Arzneimittel ergänzen und unterstützen sich dabei in ihrer Wirkung. Nur selten werden einzelne Arzneimittel eingesetzt.

Zubereitung und Einnahme

Chinesische Arzneimittel werden traditionell in Form von Tees oder Dekokten eingenommen. Hierzu wird die fertige Rezeptur 30 Minuten oder länger in Wasser gekocht. Sie können auch in Form von konzentrierten Extrakten, Instantpulvern und Pillen verschrieben werden, die die Zubereitungsdauer erheblich verkürzen. Der Patient oder die Patientin bekommt dazu vom Behandelnden detaillierte Anweisungen zur Zubereitung und Einnahme. Meist werden die Arzneimittel zweimal täglich eingenommen. Wird einmal die Einnahme vergessen, sollte sie nicht durch eine zusätzliche spätere Einnahme ersetzt werden. Chinesische Arzneimittel werden auch in Form von Granulaten, Pulvern, Tinkturen und Pillen und Salben zur äußerlichen Anwendung verschrieben.

Behandlungsdauer und -prozess

Meist erstreckt sich die Behandlung von einer Woche bis zu mehreren Monaten, abhängig von der Schwere und Dauer der Erkrankung. Während der Behandlung wird der Patient oder die Patientin regelmäßig untersucht, um sicherzustellen, dass die gewählte Rezeptur wirksam bleibt, und um die Zusammenstellung der Rezeptur dem Gesundungsprozess anzupassen. Verschwindet z.B. in unserem o.g. Beispiel der Schluckauf vor dem Sodbrennen, kann die Rezeptur entsprechend angepasst und die Wirkung auf andere Symptome fokussiert werden.

Bei welchen Beschwerden kann die Arzneimitteltherapie hilfreich sein?

Sowohl akute als auch chronische Krankheiten können mit chinesischen Arzneimitteln behandelt werden. Grundsätzlich besteht keine Einschränkung der Anwendbarkeit der Chinesischen Arzneimitteltherapie auf bestimmte Erkrankungen.

Es hängt allerdings von der Schwere und Chronizität der Erkrankung ab, wie schnell chinesische Arzneimittel für den Patienten spürbare Besserung oder Heilung bewirken.

Die folgende Liste nennt häufig vorkommende Erkrankungen, die nach der Erfahrung vieler Praktizierender sehr gut auf eine chinesische Arzneimitteltherapie ansprechen. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, auch hier nicht genannte Krankheitsbilder können mit chinesischen Arzneimitteln behandelt werden. Im speziellen Fall fragen Sie bitte Ihren Therapeuten oder Ihre Therapeutin.

Insgesamt verbessern die Arzneimittel die Lebensqualität. Viele Patienten berichten, dass sich bereits zu Beginn der Behandlung ihre Energie steigert und ihre Stimmung verbessert.

Wer kann chinesische Arzneimittel nehmen?

Chinesische Kräuter können in jedem Alter genommen werden. Die Therapeuten passen die Dosis der Rezeptur dem Alter und den Lebensgewohnheiten des Patienten an. Kinder erhalten wegen der leichteren Verabreichung oftmals Konzentratpulver. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht.

Was müssen Sie vor einer Behandlung beachten?

Vor der Konsultation sollten Sie keine große Mahlzeit zu sich nehmen, aber auch nicht hungrig sein. Auf den Genuss von Kaffee, schwarzen Tee oder Alkohol sollte verzichtet werden, ebenso auf anstrengende Tätigkeiten und Sport.

Was werden Sie nach der Behandlung bemerken?

In der Regel wird der Patient nach dem Beginn der Einnahme der chinesischen Arzneimittel eine Linderung seiner Beschwerden bemerken. In Einzelfällen kann es jedoch zu Reaktionen kommen, die dem Patienten zunächst als Verschlimmerung seiner Beschwerden erscheinen.

In einigen Fällen wird eine Ausleitung über Stuhl oder Urin angestrebt. Dabei kann es zu vermehrtem Wasserlassen oder Stuhlgang kommen. Dies geschieht im Sinne der Therapie.

Am Anfang der Behandlung können vereinzelt auch Übelkeit, vermehrte Darmgeräusche und Blähungen auftreten. Sollte diese länger anhalten, nehmen Sie bitte Kontakt mit Ihrem Therapeuten auf.

Bitte bedenken Sie, dass eine angestrebte Besserung besonders bei chronischen, also lange bestehenden Leiden seine Zeit braucht.

Sollten Sie Ihren behandelnden Arzt informieren?

Es ist zu empfehlen, den behandelnden Arzt davon in Kenntnis zu setzen, dass Sie chinesische Arzneimittel verordnet bekommen haben. Ihr Therapeut der Chinesischen Medizin wird Sie seinerseits detailliert nach allen Medikamenten fragen, die Sie gegenwärtig einnehmen. Gegebenenfalls wird er Ihnen empfehlen, westliche Medikamente und chinesische Arzneimittel mit zeitlichem Abstand einzunehmen.

Sie sollten nie die von Ihrem Arzt verschriebene Medikation eigenmächtig absetzen, sondern stets Rücksprache mit ihrem Therapeuten halten.